Gedicht: G.W.F.H. (2012)

Du alter Philosophaster!
Was nützt mir dein Kathederdeutsch!
Ein Dichter warst du nicht
An und für sich,
Und auch kein Wissens-Schaftler.

Irgendwie warst du begabt,
Die Dinge nicht zu sagen.
Bloß Worte mochtest du.
‚Die Worte sind das Wahre.‘, nicht?
Eigenartige Aussage.

Vielleicht hättest du dir
Deiner selbst gewiss werden sollen.
Doch du warst eine Kuh und deine Nacht war grau.

Du hast dich mir gezeigt
Als bestimmtes Nichts.
Deine Momente waren verschwindend.
Welche Verschwendung!

Du nebulierender Begriffsmystiker!
(Das hab ich mir selbst ausgedacht.)
Du bist für mich
Reine Negativität.

Wenn Arthurius nicht gewesen wär!
So hätt ich mich längst selbst
Aufgehoben.

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Zitat: Niels Bohr

Ein Nachtrag zum vorherigen Post: Ich habe noch ein schönes Zitat von Niels Bohr (der sonst sehr kluge Sachen sagt) zum Konservatismus in der Wissenschaft gefunden:

„Es ist in der Naturwissenschaft immer eine gute Politik, so konservativ wie möglich zu sein und nur unter dem Zwang sonst unerklärbarer Beobachtungen Erweiterungen vorzunehmen.“

(Heisenberg, Der Teil und das Ganze, München 1976, S. 136)

Da lobe ich mir Paul Feyerabend..

Das Problem der Wissenschaft

Wissenschaft ist konservativ. Das ist ein großes Problem, denn sie sollte eigentlich per definitionem progressiv sein, weitergehen. Stattdessen liebt sie das Altbewährte, das Vertraute, das Schon-Gedachte. Sie schränkt sich auf das Wissen als schon getanes Erzeugnis ein. Sie schätzt dieses höher als Erkenntnis. Und verliert, verfälscht es dadurch. Denn ohne Erkenntnis ist kein wahres Wissen, nur Information. Wissen kann nicht statisch bleiben, wenn es Wissen bleiben will. Es kann nur gewusst werden, indem es erfahren wird, indem es den Prozess des Wissenserwerbs durchläuft. Wissen bezeichnet ein Altes, eine schon erfahrene Erkenntnis, aber es muss fortlaufend erneuert werden, um bestehen und konsistent zu bleiben, und zwar auf anderem Wege als zuvor.

Wie verhält sich die Wissenschaft heute? Sie gibt vor, neue Wege zu gehen, denn sie ist sich ihres eigentlichen Charakters durchaus bewusst, und sie glaubt auch daran, dass sie diesem Charakter gerecht wird. In Wirklichkeit aber hegt und pflegt sie die alten Wege. Will sie „etwas Neues“ schaffen, läuft sie in Trippelschritten an ihren Rändern entlang und baut sie so nur weiter aus, vergrößert sie, verfestigt sie. Aus einer anfangs schmalen Spur auf frischem Gras wird so eine weite Straße – öde und grau, doch fest und sicher. Man kann nicht vom Wege abkommen.

Die Trippelschritte, das nennt sie Fortschritt und Forschung. Das sind sie aber keineswegs, sondern ihr Gegenteil: Sie zementieren den alten Weg, gießen ihn in Beton. Das Wissen ist Dogma geworden. Für verrückt wird erklärt, wer neben der Spur läuft, oder einen Umweg geht. Warum sollte er das tun? Jeder weiß doch, dass es umständlich ist und außerdem – es ist anders. Niemand tut es, also kann es auch nicht richtig sein. Oder?
Die Wissenschaft glaubt nicht an dieses Gleichnis. Und wenn doch, sieht sich jeder Wissenschaftler als derjenige einzelne, der „neue Wege beschreitet“. Das ist ja offiziell das große Ziel. Doch der neue Weg, das wäre der durch unbekanntes Terrain – unbequem und vielleicht sogar gefährlich. Kaum einer geht wirklich diesen Weg.

Gefährlich für wen oder wofür? Kann der Wissenschaftler denn gefährdet sein, schließlich tut er das, was seinem Wesen entspricht, ihn in seiner Wissenschaftlichkeit bestätigt und verfestigt. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass auch die Wissenschaft – wie alles in unserer Gesellschaft – zwangsdualisiert ist: Nicht die Wissenschaft an sich wäre gefährdet, sondern ihre Erscheinung, ihr Schein. Der Schein aber erst macht den Wissenschaftler in unserer Gesellschaft zum Wissenschaftler, die Hülle ist, worauf es ankommt. Der Kern mag dabei vorhanden sein oder nicht, mit den Jahren wohl verkümmert und verkrüppelt. Der Wissenschaftler braucht das Gewand der Wissenschaft, um seinen Beruf nachkommen zu können. Er könnte sich zwar auch nackt seiner Berufung widmen. Doch natürlich würde er verlacht, geächtet und verstoßen werden. Keiner wüsste damit umzugehen.

Einer, der nackt durchs Gras läuft? Ein Verrückter! Ein Spinner! Wie glaubt er neues Wissen zu schaffen, wenn nicht mit den alten Methoden der alten Wissenschaft? Wissenschaft braucht Beinkleid und Studierstube. Wie sonst kann sie Wissenschaft bleiben?

Wissenschaftler verkennen das wichtigste Paradox der Wissenschaft: dass sie ihr Wesen verändern muss, um sich wesenstreu zu bleiben. Nur so bleiben sich alte und neue Wissenschaft gleich.

Wie aber können sie das verkennen, wenn ihr Geschäft die Erkenntnis ist, sind Wissenschaftler nicht kluge, scharfsinnige Leute? Ja, aber sie sind es umso weniger und können es umso weniger sein, je mehr sie in ihrem Scheinbild aufgehen. Der Schein der Wissenschaft erfordert keinen besonderen Scharfsinn, bloß eine gewisse Klugheit. Wer den Schein zu wahren weiß, darf sich also Wissenschaftler nennen, ohne dabei wesenhaft Wissenschaftler zu sein. Und niemand wird es merken, keiner es ahnen, sondern das Gewand preisen für seinen meisterhaften Glanz. Anders als der Kaiser, trägt der Wissenschaftler tatsächlich ein Kleid, darunter aber ist kein Fleisch.

Wie aber? Sind die Wissenschaftler wirklich so heuchlerisch und verkommen, wie kann das sein? Ist das Ideal der Wissenschaft nicht der tugendhafte Philosoph? Ja und nein. Sie sind das, was sie sein müssen, um sich zu erhalten. Erhalten tun sie sich wie jeder Mensch, der leben will: durch Geld. Geld aber sähen und ernten sie nicht mit ihren Gedanken, sondern durch Prestige. Prestige aber erlangen sie, wenn eine große Zahl anderer Wissenschaftler sie für ihre Gedanken preist. Die Masse der Wissenschaftler aber preist das, was sie kennt. Sie liebt es, wenn das ihnen Vertraute und von ihnen selbst Verstandene (oder Verstanden-Geglaubte) neu und kunstvoll verpackt und mit einigen Änderungen (die Trippelschritte) ihnen gegenübertritt und sie in ihren Grundsätzen neu bestätigt. Sie liebt nicht das Fremde, das ihre eigenen Grundsätze und Gedanken verwirft und zerstört, denn sollte es sich durchsetzen, stünden sie selbst als Verlierer und Falschsager dar.

Es kann sich ein wirklich neuer Gedanke also so selten nicht nur deshalb durchsetzen, weil selten wirklich große und mutige Köpfe vorkommen, sondern weil es gleichfalls in den etablierten Rängen der Wissenschaft zumindest annähernd große und mutige Köpfe braucht, um einen neuen Gedanken zu verstehen und anzuerkennen. Gibt es diese aber, so kann es ganz schnell gehen, dass ein „Spinner“ von der Masse zum neuen Heiligen emporgehoben wird. Denn jeder will einer der ersten sein, die seine Brillianz erkannt haben.

Traurig also steht es um die Wissenschaft. Trauriger aber um eine Gesellschaft, die sie als Religion verehrt und ihre Vertretern als Priester gutgläubig folgt. Sind sie doch Menschen wie sie, keine Halbgötter erleuchtet vom Glanze der Vernunft. Sondern Menschen gespalten durch das Geld, und sich die Wahrheit anmaßend.

Erster Blog-Post

Ein herzliches Willkommen an alle, die sich zufällig hierher verirrt haben. Dies soll ein privater Blog werden, auf dem vor allem philosophische Ergüsse und andere Gedanken Platz finden sollen, aber auch so einiges weitere, was mir teilenswert erscheint, wie Musikempfehlungen oder Verweise zu anderen Artikeln oder Videos.