Postfaktizität und Philosophie

merkel_la_philosophe_postfaktischMerkel la philosophe

Eigentlich war ich versucht, die Besprechung dieses neuen Unwortes dezent unter den Tisch fallen zu lassen, denn ich möchte ungern wiederholen, was an anderer Stelle schon häufig genug gesagt wurde. Redundanz ist wie Tröpfchenfolter. Dennoch will ich es nicht unterlassen, mich ihm zumindest von einem explizit philosophischen Standpunkt aus zu nähern, denn: Mit der Rede von der Postfaktizität ist die Erkenntnistheorie endlich in der Gesellschaft angekommen! Plötzlich philosophiert die ganze Welt darüber, was eigentlich „Fakt“ ist, was „Wahrheit“ bedeutet (im Englischen heißt es ja „post-truth-era“) und was wir wissen oder nicht wissen können oder sollen.

Ich finde das wunderbar. Denn der Begriff selbst lädt eigentlich schon zum Nachdenken ein: Warum eigentlich „post“? Und warum schon wieder ein „post“? Was heißt das eigentlich? Warum leben wir in einer Gesellschaft, die sich so gerne „nach“ etwas einordnet? Ist das nun gut oder schlecht, „später“ zu sein? Haben wir damit etwas gewonnen oder verloren? Oder beides? Ist das „Faktische“ nicht selbst per definitionem ein Vergangenes (factum ist schließlich PPP von facere, so viel weiß ich noch aus dem Latein-Unterricht)? Was bedeutet es, dass wir uns nach einem Vergangenen befinden, bedeutet es überhaupt irgendetwas? Und was ist dieses „Faktische“ denn überhaupt und warum kann man es offenbar mit „Wahrheit“ problemlos gleichsetzen?

Natürlich ist die ganze Sache alles andere als unproblematisch. Wie schon mehrmals an anderer Stelle angesprochen wurde, suggeriert der Begriff „postfaktisch“ oder „postfaktisches Zeitalter“, dass wir zuvor in einem „faktischen Zeitalter“ gelebt hätten, einer Zeit also, in der die Fakten vorherrschen. Diese Annahme als groben Irrtum und arrogante Anmaßung zu entlarven, dürfte dem aufgeklärten Geist nicht allzu schwer fallen. Der affirmativen Rede vom postfaktischen Zeitalter aber nach befinden wir uns dank social media, Verschwörungstheorien, Homöopathie, Populismus und Donald Trump mittendrin. Insbesondere die social media sind verantwortlich, vor allem Facebook – damit soll aber gar nicht der Konzern Facebook und seine finsteren Machenschaften kritisiert werden, nein, es geht um das soziale Instrument Facebook an sich und sein überaus bedrohliches Potential, „allgemein anerkannte“, harte wissenschaftliche Fakten und Wahrheiten zu zerstören und mit reichlich Hatespeech und bloßen, irrationalen Gefühlen zu ersetzen.

Die Zeit schreibt: „Wenn immer mehr Menschen in Deutschland „postfaktisch“ denken, also ihrem Gefühl mehr vertrauen als amtlichen Statistiken, dann gibt es dagegen nur ein Gegengift: noch bessere Daten, noch bessere Recherche.“ Aus diesem Satz lernen wir: „postfaktisch“ heißt: „seinem Gefühl mehr vertrauen als amtlichen Statistiken“ und dieses Verhalten ist „giftig“. Damit die armen infantilen Bürgerlein sich aber durch ihr stupides bloßes Gefühl nicht noch mehr vergiften, muss die (amtliche) Wissenschaft mit noch größeren Anstrengungen der Daten und Statistiken dagegenhalten. Diese Anstrengungen waren zwar schon sehr groß und die Daten und die Recherche waren schon sehr gut, aber es geht eben noch besser. Muss noch besser gehen, denn sonst ist alle Hoffnung auf das alleinige Gegengift, auf das einzige Heilmittel gegen postfacteritis malora verloren.

So weit, so unsinnig. Probieren wir mal, das Problem philosophisch aufzudröseln. Zugrunde liegt zunächst die altbekannte Unterscheidung zwischen absolutistischer und relativistischer Wahrheitsauffassung. Affirmative Vertreter der „Lehre von der Postfaktizität“ sprechen sich implizit für die Existenz einer absoluten Wahrheit aus und bauen darauf ihre Argumentation auf. Relativistisch-subjektivistische Ansätze werden gar nicht erst als gleichberechtigt in Erwägung gezogen, sondern kommen bloß in karikierend-verzerrter Form in der Argumentation vor, nämlich in Gestalt des sogenannten Postfaktischen, das eben dadurch schon von Anfang an diskreditiert wird, dass es immer – per definitionem – „irrational“ bleiben muss. Nun spricht an sich gar nichts gegen die Auffassung der Existenz einer absoluten Wahrheit. Die meisten Erklärungsansätze setzen eine solche zumindest implizit voraus, selbst Naturwissenschaftler und Relativisten (mögen sie sie auch nicht als solche bezeichnen, denn „absolute Wahrheit“ klingt eben irgendwie „esoterisch“ und religiös, und damit in Verbindung gebracht zu werden wäre rufschädigend.) Im Gegenteil, allein schon von einem pragmatischen Standpunkt aus ist es sinnvoll, von der Existenz „der“ Wahrheit auszugehen, denn: „Alle Menschen streben von Natur aus nach Wissen.“ (frei nach Aristoteles) Wissen von dem, was ist, nicht (sekundär) von dem, was die Wahrnehmung der Summe aller Subjekte ist. Mag es auch „die“ Wahrheit an sich nicht geben, so ist es zumindest sinnvoll, davon auszugehen, wenn man auf der Suche nach ihr ist – wenn man wissen will, „was Sache ist“.

Es ist aber etwas anderes, schlicht zu leugnen, dass unterschiedliche Annäherungsversuche an diese „Wahrheit an sich“ existieren. Dass Subjektivität und Relativität in empirischen Felde dessen, was wir von der Wahrheit zu erhaschen meinen, eine sehr große Rolle spielen. Dass unser Wissen von der Wahrheit bedingt ist, bedingt sein muss – und sich als solches immer mehr oder weniger von der Wahrheit unterscheidet.

Es ist gleichfalls etwas anderes – und darum geht es eigentlich – zu leugnen, dass von der „amtlichen“ (s. o.) oder gesellschaftlich weitestgehend akzeptierten Auffassung dessen, was Wahrheit ist, unterschiedene, aber ebenso mögliche alternative Auffassungen existieren können. Es ist etwas anderes, diese allein deshalb schon nicht in Erwägung zu ziehen, weil sie nicht „amtlich“ und (noch) nicht gesellschaftlich akzeptiert sind. Es ist schließlich etwas ganz anderes, zu behaupten, die gesellschaftlich anerkannte Auffassung von der Wahrheit sei nicht nur ein weiterer „Annäherungsversuch“, sondern sei mit der Wahrheit gleichzusetzen – und hierin liegt die große Anmaßung. Im Übrigen ist es widersprüchlich, implizit mit gesellschaftlicher Anerkennung zu argumentieren, wenn gerade diese Anerkennung durch nicht unerheblich große Teile der Gesellschaft infrage gestellt wird. Vom traditionell auch in der Philosophie anerkannten und noch immer herrschenden Vorurteil, „rational“ und „gefühlsmäßig“ strikt zu trennen und dabei das Gefühl als minderwertig (und „weibisch“ und „sinnlich“ und „schwach“) zu diskreditieren, will ich erst gar nicht anfangen, denn das würde hier zu weit führen.

Annahmen einer Absolutheit der (singulären) Wahrheit und der Relativität der (pluralen) Wahrheitsannäherungen schließen sich also gar nicht aus, dürfen als solche aber nicht miteinander gedankenlos vermengt werden. Gerade das geschieht aber gegenwärtig – und natürlich geht es in Wirklichkeit nicht um einen überzeugenden logischen Nachweis des „postfaktischen Phänomens“ oder um epistemologische Spitzfindigkeiten, sondern um Macht und Manipulation. Mehr noch, es geht wieder einmal um die enge Beziehung von Wahrheit und Macht, von Wissen und Macht und um Deutungshoheit und den alleinigen Anspruch auf Wahrheit.

„Postfaktizität“ ist die antinomische Antwort auf „Lügenpresse!“. Wo der Wutbürger in Dresden vor der Semperoper oder auf Facebook „seinen Gefühlen freien Lauf lässt“ und seine Wahrheitsauffassung frustriert herausschreit, da hält der Gut- und Bildungsbürger gesittet inne, um dann mit unnachahmlicher rhetorischer und intellektueller Gewandtheit im Sprachlabor des Feuilletons aus bewährten lateinischen Floskelzutaten ein neues Begriffsungetüm zu kreieren, das den Pöbel und sein unverständliches (weil dummes) Verhalten mal so richtig durchanalysiert. „Lügner!“ schallt es aber im Endeffekt aus beiden Richtungen her, im einen Fall jedoch so hübsch in Vernunft gebadet und in „wissenschaftlicher Anerkennung“ verpackt, dass dem rational gesinnten Zeitungsleser sofort klar sein sollte, wem er zu glauben hat, wenn er nicht im „Zeitalter des ungesunden Menschenverstandes“ (FAZ) den populistischen Volksverführern auf dem Leim gehen will, die nur darauf warten seinen durch zu viele Wahrheitsvarianten verwirrten Geist mit postfaktizitärem Gift einzunebeln. ( – Wie schön übrigens, dass wir uns mal wieder auf dem metaphorischen Begriffsgebiet der medizinischen Sprache bewegen, die wirkt noch am besten!)

Man verstehe mich nicht falsch. Natürlich sind die „Hass-Redner“ im Internet eine Gefahr. Wo erst einmal Misstrauen geweckt ist und vor allem Enttäuschung und Wut darüber, geblendet worden zu sein, ist es ein leichtes, sich in dieser Wut zu ergehen und aus der Erfahrung von Lügen umgekehrt fälschlich zu folgern, alles, was jemals in der „Lügenpresse“ thematisiert worden sei, verhalte sich „in Wahrheit“ genau gegensätzlich dazu. Insbesondere wenn dabei alte Vorurteile und -ahnungen bestätigt werden. Wenn „die Flüchtlinge“ positiv dargestellt wurden, dann sind sie in Wirklichkeit alle Verbrecher und Islamisten. Wenn Putin dämonisiert wird, dann ist er in Wirklichkeit ein friedliebender Humanist. Dieses Verfallen ins andere Extrem, in die Antithese, ohne den nächsten Schritt zur Synthese zu gehen, und die Bereitschaft, beim bloßen Empörungsgefühl stehen zu bleiben, sind tatsächlich gefährlich und werden von bestimmter Seite aus gezielt gebündelt und instrumentalisiert.

Was uns aber alle zu Recht empören sollte, ist überhaupt die Ansicht, egal von welcher Seite aus, mit der eigenen Weltauffassung alleinigen Anspruch auf die Wahrheit zu haben und den Menschen allgemein abzusprechen, diese selbst erschließen zu können. „Postfaktisch“ ist dabei nach „Verschwörungstheoretiker“ nur der nächste Kampfbegriff. Zur Versöhnung trägt er nicht bei. Den denkenden Menschen beleidigt er und den wütend-verstockten wiegelt er nur noch mehr auf.

Was er und ähnliche Begriffe – oder überhaupt eine offene Debatte über diese – aber leisten können – wenn auch indirekt – ist, wie ich oben schon andeutete, mehr zum Nachdenken und Über-das-Gewohnte-hinaus-Denken anzuregen. – Auch wenn „postfaktisch“ aus philosophischer Perspektive ein Unsinns-Wort ist, da diese ein willkürliches und unreflektiertes Verständnis von „Fakten“ oder gar „Wahrheit“ nicht akzeptieren kann, welches seine Bedeutung außerdem dahingehend dogmatisch einschränkt, dass „nicht-wissenschaftliche“ und „nicht-amtliche“ Herangehensweisen an die Wahrheit gar nicht erst in Erwägung gezogen werden. Vielmehr ist der Wahrheitsbegriff der Affirmatoren des postfaktischen Zeitalters zirkulär: Was als Wahrheit oder als Fakt gilt, das ist vorher fest definiert und bestätigt sich selbst, alles andere fällt gleich aus dem Kreis heraus.

Dennoch, der Begriff des Postfaktischen lässt sich fruchtbar machen: Versteht man das „Faktische“ nämlich als Ergebnis einer gesellschaftlich vorgegebenen, normierten Herangehensweise an die Wahrheit, so bietet uns der Eintritt ins „Postfaktische Zeitalter“ die Gelegenheit, diese endlich hinter uns zu lassen und sie retrospektiv nur als eine von vielen Möglichkeiten zu begreifen. So gesehen hat eine philosophische Perspektive auf das Faktische schon immer Postfaktizität eingeschlossen, war das philosophische Denken schon immer selbst genuin postfaktisch. – Nicht in einem zeitlichen, sondern in einem strukturellen Sinne, indem es nämlich an allgemein anerkannten Wahrheiten zweifelte und den Zweifel selbst dabei als Methode kultivierte. Das postfaktische Zeitalter, so verstanden, ist eine Chance, durch die direkte Konfrontation mit einer Bandbreite von Sichtweisen und Weltbildern eine eigene differenzierte Sichtweise zu entwickeln. Wir müssen bloß ehrlich dazu bereit sein, sie zu nutzen, anstatt uns mit einer Bipolarisierung der Gesellschaft zufriedenzugeben, weil wir uns unzweifelhaft und von Anfang an „auf der richtigen Seite“ wissen.

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12 Gedanken zu “Postfaktizität und Philosophie

  1. Lessing: „Die Suche nach Wahrheit ist köstlicher als deren gesicherter Besitz.“ Wer aber gar nicht nach der Wahrheit sucht, sondern nur der Mehrheit des Volkes oder mindestens einer großen Masse nach dem Munde redet, den würde ich auch als „postfaktisch“ titulieren, selbst wenn dieser Begriff blöd ist.

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  2. Guter langer gründlicher Text. In der faktischen Ära habe ich in der Schule gelernt, amtlichen Statistiken, der herrschenden Meinung und dem wissenschaftlichen Mainstream grundsätzlich zunächst kritisch zu begegnen und jede Quelle dreimal umzudrehen. Im postfaktischen Unterricht kommt das wohl nicht mehr vor 🙂 Es geht wie so oft um Macht und die Dominanz auf dem Markt – das hast du wunderbar auch mit philosophischem Geschick beschrieben, vielen Dank dafür. lg, Peggi

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    • Freut mich. Es wäre wohl auch noch länger und vollständiger gegangen, aber dafür ist das Blogpostformat wohl eher weniger vorgesehen. 😉
      Da hattest du wohl (noch?) Glück mit deinen Lehrern, bei uns haben uns vielleicht ein, zwei zum Hinterfragen angeregt – die sind mir dann auch positiv in Erinnerung geblieben. Bei den meisten hat man nur gelernt, das von sich zu geben, was sie (und der Lehrplan) hören wollen. Bei denen, die frisch von der Uni kamen, ging es schließlich nur darum, marktgerechte „Kompetenzen“ zu erwerben.

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  3. Gute Überlegungen. Ob der Begriff wirklich das Potential hat, eine kritische Reflexion über den Wahrheitsanspruch von Standard(welt)anschauen zu reflektieren. Ja, vielleicht. Für diesen Beitrag trifft es ja schon mal zu. Allerdings scheint mir der Begriff doch in der Regel als Euphimismus für „kontrafaktisch“ oder schlicht und ergreifend „Lüge“ verwendet zu werden.

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    • Ich mache mir auch nicht allzu große Hoffnungen, aber immerhin eine kleine. Was bleibt sonst? 😉 Und genau, diejenigen Leute, die sich nicht verdächtig machen wollen, dem gemeinen Volk anzugehören – das zuletzt ja wieder in Verruf geraten ist – sagen dann eben nicht „Lügner“, sondern sprechen vermeintlich geschliffen von Postfaktizität.
      Danke für deinen Kommentar!

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  4. Postfaktisch. Nicht-Wort des Jahres. „Die Wahrheit, im Lichte der Fakten gesehen, tritt offen zu Tage.“ Das Sein ist nicht präsent. Die Abwesenheit, das Verborgene, muss immer auch in eine Unverborgenheit überführt werden. Die Fakten, ebenso ein hergestelltes, sind dabei zuhanden. Die Gefühle sind jedoch ebenso etwas Gemachtes, man spricht von Gefühlsarbeit; diese müssten empört aufschreien, mit dem Postfaktischen in einem Atemzug genannt zu werden. Sie sind nämlich: ein Faktum der Affekte. Die Welt als Wille und Vorstellung. Dabei wird das Kind mit dem Bade ausgeschüttet, wie man sehen kann. Ein neues Betätigungsfeld von Postdoktoranden: philosophisches Lektorat im Kanzleramt.

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  5. Pingback: Apologie der Irrationalität I: Vernunft und Rationalität | Truth doesn't make a noise

  6. Postfaktisch ist für mich ebenfalls ein Unwort. Das reduziert Differenzieren/differenziertes Denken genauso auf eine Schiene wie im Gegenzug alles per se als Lüge abgebügelt wird, was von offizieller Seite behauptet wird.
    Leider scheint das ein Zeichen unserer Zeit zu sein, alles auf´s Minimale zu reduzieren und dann aber als absolutes Faktum anzusehen (Die sprachliche verkürzte Grausamkeit diverser Werbe-Spots spricht Bände und ist ein Spiegel dessen). Eine absolute Wahrheit gibt es jedoch nahezu niemals in dem von Dir angesprochenen Bereich.
    Gefühlte Wahrheiten gab es jedoch schon immer, die keine sind. Nur sind die dank moderner Medien schneller verbreitet und bewegen sich meist auch in eher gleichgerichteten Räumen, die um des eigenen Bestätigt-Seins willen den Tatsachengehalt nicht hinterfragen, aber dafür schnell eine scheinbare Masse erzeugen, die es o gar nicht gibt.

    Dann sind die offiziellen Medien oft genug selbst solchen Dingen auf den Leim gegangen, wo aus journalistischer Sicht erst recht Recherche und Abklopfen auf Echtheit angebracht sind. Es ging jedoch nur um den ersten Platz beim Veröffentlichen und da lässt man die Sorgfalt eben etwas schleifen. Oft genug sind Beiträge bezahltes Schreiben, welches nicht einmal die Sicht des jeweiligen Verfassers darstellt, sondern dieser dazu vergattert wird oder wegen seiner Existenz solches Zeug abliefert.

    Ein Verbieten, Prüfen oder Löschen solcher Inhalte in sozialen Medien oder was auch immer bringt sowieso nichts, dann zieht sich das in abgeschottete Bereiche zurück und wird erst recht ein Selbstläufer. Den landläufig so definierten Verschwörungstheoretikern gibt das auch Wasser auf die Mühlen, denn wenn so dagegen gehalten wird, muss doch etwas dran sein;-)
    So nebenbei machen sich dann die Offiziellen selbst zum Richter über die Meinungsfreiheit und bestimmen, was wahr ist oder nicht. Das ist doch genau der Vorwurf, der dann der jeweils anderen Seite gemacht wird.

    Umgekehrt heisst Meinungsfreiheit nicht, alles was so in die Welt geblasen wird, muss unwidersprochen bleiben und kann im Zweifel auch gelöscht werden. Nur sollte das eben Sache des jeweiligen Portals sein und nicht die irgendwelcher ‚Experten‘, die dann in das Messer des o.g. Journalisten rennen.
    Das dabei ausgerechnet FB als erste Instanz in diesem Fall etwas – ääh opportun? – oder besser bigott daherkommt, ist ein anderes Thema, wenn sexuell vermeintlich anstössige Inhalte ruckzuck geplättet werden, ohne mit der Wimper zu zucken, während anderer Dreck schon sehr lange an der Scheibe kleben kann, bevor er überhaupt weggekratzt wird. Das liegt aber eher in der Unternehmensform von FB und Co.

    Lange Rede – kurzer Sinn, es wäre schön, wenn sich zumindest der grösste Teil der Menschheit mehr Zeit nähme, um Dinge zu durchdenken, zu prüfen und dann daraus weitestgehend ‚echte‘ Wahrheiten zu erkennen, wenn auch die Ränder bei jedem anders liegen mögen.
    Diese Wahrheit sieht in Wahrheit jedoch anders aus und es wird ja auch daran gearbeitet, den Menschen als solchen zu einer Art unkritischen Masse zu formen, der einfach nur tut, was ihm geheissen wird – eine biologische Maschine.

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    • Danke für deinen Kommentar. Das Problem mit der Wahrheit ist, dass sie, als bloßes So-Sein der Dinge, niemals wirklich erreichbar wird. Daher ist die Aufregung über das vermeintlich Post-Faktische so hohl, denn nirgendwo ist auch das sogenannte Faktum nicht Interpretation, nicht individuell Perzipiertes, nirgendwo ist es „an sich“, weil es schon durch das Erleben und erst durch die Verbreitung Tausend Facetten erfährt.
      Was uns bleibt, ist die Logik, die sich vom Faktum entfernt, abstrahiert und stattdessen auf Sinn setzt. Es braucht eigentlich gar nicht so viele „Fakten“ und nur wenige Prämissen, um der Wahrheit doch in vielen Fällen auf die Spur zu kommen und wenigstens festzustellen, was wahrscheinlich und was weniger wahrscheinlich ist.
      Und ich stimme dir vollkommen zu, gewollt ist das häufig nicht. Stattdessen wird viel von „Vertrauen“ geredet. Habe Vetrauen, unruhige Menschenmasse, in die Politik, in die Wissenschaft, in den investigativen Journalismus, in die westlichen Werte, aber bloß nicht in dich selbst und deinen eigenen Verstand. Und mache dir nicht zu viele Sorgen, die halten dich noch von der Arbeit ab. 😉

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