Kants ‚Grundlegung zur Metaphysik der Sitten‘: Comic Strip

Kants berühmter Kategorischer Imperativ durchläuft in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten verschiedene Stufen der Ausformulierung. Da geht es erst um eine Maxime, die allgemeines Gesetz werden soll, dann um dieselbe, die Naturgesetz werden soll, dann um die Menschheit als Zweck an sich selbst, dann um die Selbstgesetzgebung bzw. Autonomie des Willens und schlussendlich um die Freiheit des Willens und Kants Grunddualismus zwischen Sinnen- und Verstandeswelt, der die ganze Sache erst möglich macht.

Eigentlich haben wir es dabei aber mit einer wunderbaren tautologischen Struktur zu tun, denn das Sittengesetz selbst, so Kants Überzeugung, ist jedem Menschen ganz natürlich beigegeben. Bloß wurde es in der Vergangenheit durch allerlei „vernünftelnde“, falsche Philosophie und die eigene Bestrebung des Menschen, es seinen sinnlichen Neigungen besser anzupassen, verdeckt und verdunkelt, sodass es nun eines kritischen Kants bedarf, um es gleichsam zu entschleiern und für die (philosophische) Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Wo wir bei der Lektüre der Grundlegung gestartet sind, kommen wir aber im Grunde auch am Ende an, nämlich beim guten Willen selbst. Nicht auf eine äußere moralische Vorschrift kommt es Kant an, sondern auf die Aufdeckung desjenigen Gesetzes, das unserer vernünftigen menschlichen Natur schon immer inhärent ist; auf die Aufklärung der nicht weiter erklärbaren Tatsache, dass wir das Gute wollen.

Hier also die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, stark vereinfacht und in Kürze:

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5 Gedanken zu “Kants ‚Grundlegung zur Metaphysik der Sitten‘: Comic Strip

    • Ja, vielleicht, wobei da wieder die Frage ist, wie wir „Vernunft“ verstehen, ob sie etwas exklusiv Menschliches ist, und was dann wiederum dieses Menschliche ist.. Bei Kant (der im Grunde ein guter Christ war), wird auch das Vernünftige mehr oder weniger mit dem „Göttlichen“ gleichgesetzt. Dabei allerdings auch als etwas, was allein dem Menschen, nicht aber der übrigen sinnlichen Welt zukommt – eine leider etwas verkürzte Sichtweise.

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      • Das sind aber jetzt einige offene Fässer.Ja, Kant war wohl ein sehr guter Protestant. Wenn nicht der beste von allen.
        Klar müssen wir heute seine Begriffe hintergfragen. Aber ich tu mich schon nicht leicht, ihn überhaupt nachzuvollziehen. Und ich glaube, grade in Sachen Vernunft hat der gute Immanuel schon Maßstäbe gesetzt, wo man nicht so leicht vorbei kommt. Seine Unterteilung von berechnendem Verstand und moralisch urteilender Vernunft etwa finde ich ganz griffig. Ich verstehe es so, daß der Verstand den schnellsten Weg findet, aber die Vernunft sagt, ob wir lieber nach Hamburg oder nach München fahren sollen. Und das ist die Grundlage für unsere moderne Rechtsgemeinschaft. Klar bei göttlicher Würde und so kann man das erweitern. Ich nehme an, Du deutest hier Rechte von Tieren und so an. Rechtlich sind die meiner Meinug nach abzulehnen. Rechte und Pflichten können wir nur unter zurechnungsfähigen Menschen verhandeln. Von daher kann man Menschen die Pflicht auferlegen, ihre Umwelt ordentlich zu behandeln. Weils mitgeschöpfe sind und im Sinne der Nachhaltigkeit als Pflicht gegenüber den Nachfahren. Wir sollten Nicht-Menschen aber nicht als Rechtssubjekte behandeln. Das führt zu Prozessen gegen Affen, die in Kirche kacken oder Menschen, die das Pferd des Königs böse angeguckt haben.
        Aber die anthropoligische Fragestellung bleibt davon wahrscheinlich unberührt. Andererseits: Ist Vernunft die Fähigkeit einer Mutter, gutes für ihr Kind zu wollen? Oder ist sie die Fähigkeit des Kindes, zu wissen, daß es nicht in Ordnung war, der Mutter n Zehner für Süßigkeiten zu klauen…? Und wäre Kant für so einen engen, aber präzisen Vernunftbegriff tatsächlich zu kritisieren?

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  1. Klar, ich will Kant seine Verdienste um die Philosophie gar nicht absprechen. Er hat es als erster geschafft, auf einer sehr tiefen Ebene sehr gründlich und exakt in die Struktur des menschlichen Denkens einzudringen und viel nebulöses Gerede ohne Substanz dabei zu beseitigen. Seinen Fokus auf die Vernunft halte ich dabei auch für sehr wichtig, vor allem im Kontext der Aufklärung. Sein berühmter Aufsatz, der den Menschen zum Gebrauch eben dieser Vernunft aufruft, hat ja bis heute Bedeutung und Geltung.
    Allerdings teilt Kant die Welt eben auch sehr statisch in Vernunft und Nicht-Vernunft ein und für ihn ist ganz klar, dass das Nicht-Vernünftige minderwertig ist. Dieser starre Dualismus ist als Ausgangspunkt zum Verständnis der Welt sehr problematisch. Für ihn hat z.B. nur der Mensch eine Würde, allein der Mensch ist „Zweck an sich selbst“, die ganze übrige Natur ist nur mittelbar wertvoll. Eine alternative Sichtweise, die der ganzen belebten Natur eine Würde zuspricht, müsste ja noch nicht zwingend zur Folge haben, dass diese auf dieselbe Art wie der Mensch Rechtssubjekt wird. Das würde, wie du sagst, absurde Konsequenzen haben. Stattdessen könnte man z.B. für die übrige Natur festlegen, dass sie gleichfalls eine Würde hat, aber nur Rechte, keine Pflichten. Begründen könnte man es z.B. so, dass allein der Mensch potentiell unbegrenzten Gebrauch von seiner Vernunft machen kann und dadurch eben auch unbegrenzten Schaden anzurichten vermag. – Aber das sind jetzt nur mal so lose Überlegungen.
    Das Problem liegt auch in der Begrifflichkeit. „Vernunft“ kann man sehr weit fassen, aber eben auch sehr spezifisch. Leider ist der Begriff bei Kant selbst nicht ganz scharf, er benutzt ihn nämlich einerseits, wie du sagst, als Abgrenzung zum Begriff des „Verstandes“ – hier sind Vernunft und Verstand also zwei verschiedene, eigene Vermögen. Andererseits gebraucht er Verstand und Vernunft auch deckungsgleich, nämlich wenn er damit die „noumenale Welt“ kennzeichnen will, eben von dem oben angesprochenen dualistischen Standpunkt aus. Hier sagt man stattdessen gerne auch „Geist“ und diesen Begriff würde ich auch bevorzugen.
    Ich denke, man muss einfach noch präziser werden. Man sagt „Vernunft“ und meint damit ganz verschiedene Dinge und Vermögen. Mit dem „Unvernünftigen“ verhält es sich dann parallel genauso. Aber ich plane dazu gerade sowieso noch einen eigenen Post, also vielleicht kann ich es dort noch ausführlicher auseinandersetzen. 😉

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  2. Pingback: Apologie der Irrationalität I: Vernunft und Rationalität | Truth doesn't make a noise

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