Zitat: Carl-Friedrich von Weizsäcker

„Was zeichnet aber nun die gute, produktive Wissenschaft aus? Ich möchte meinen, zunächst eine höhere Fähigkeit zur Gestaltwahrnehmung, zum Aufspüren von besonders einfachen und eben in ihrer Einfachheit verborgenen Gestalten. […]
Den wirklich produktiven, den wirklich bedeutenden Forscher zeichnet ja meistens aus, daß er noch einen Instinkt, noch ein Gefühl, eine nicht mehr ganz rationalisierbare Wahrnehmung für Zusammenhänge hat, die weiter reicht als die der meisten Leute, und deshalb ist er zuerst an der betreffenden Wahrheit.“

(Carl-Friedrich von Weizsäcker, Die Einheit der Natur, München 1971, S. 125-126.)

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5 Gedanken zu “Zitat: Carl-Friedrich von Weizsäcker

  1. Die Frage ist dabei ja immer auch, ob die einfache „verborgene Gestalt“ tatsächlich irgenwo da draußen ist (das wäre dann wohl die platonische Sichtweise), oder ob der Wissenschaftler sie nur hineinliest, im Sinne einer Näherung an in Wirklichkeit eher chaotische Verhältnisse.
    Bei der „Theorie von allem“, sowas wie dem Gral der Physik, hat man ja manchmal eher den Eindruck, es sei letzteres.

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    • Nun, die „verborgene Gestalt“ muss ja, um verborgen zu sein, nicht „draußen“, objektiv, subjekt-unabhängig existieren. Es reicht, wenn sie dem Forschenden in sich selbst verborgen, unbewusst ist. Wir sind alle noch sehr in einer Subjekt-Objekt-Trennung gefangen, besonders die empirische Wissenschaft, der das Objektive immer noch heilig ist, habe ich den Eindruck. Die Frage ist auch wie „extrem“ man Platon interpretiert. Aber für mich hat die Position „Die Natur ist Chaos, nur der Mensch projiziert geordnete Verhältnisse in sie hinein“ immer so etwas mittelbar, unbewusst Anthropozentrisches und Menschlich-Arrogantes oder -Naives (als wäre der Mensch der einzig Ordnende und Geordnete im Universum).
      Ich vermute auch, dass der Eindruck des Chaos eher durch die Art der Näherung entsteht, eben durch eine noch unzureichende Art. Immer kompliziertere Berechnungen deuten natürlich auf einen sehr komplizierten Gegenstand hin. Aber in der Wissenschaftsgeschichte lief es ja schon oft so, dass an die Stelle komplizierter Theorien, angestellt von Akademikern, deren Namen heute längst vergessen sind, und die dazu dienten, bisherige wissenschaftliche „Glaubenssätze“ trotz Unstimmigkeiten zu stabilisieren, auf einmal einfache Erklärungen getreten sind, die aber einen völligen Perspektivwechsel erforderten. Ich denke, so etwas ist wieder einmal nötig, diesmal vielleicht so, dass man den Blick wieder auf die Einheit der Wissenschaften richtet und auch den Gegensatz zwischen „physisch“ und „psychisch“ noch einmal ernsthaft und grundsätzlich hinterfragt. Aber welcher Physiker ist schon Psychologe (oder Philosoph) und umgekehrt? Da wären wir wieder beim alten Thema.. 😉

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      • Das finde ich interessant, dass Du die „Projektionshypothese“ als die hybride ansiehst. Ich habe es eigentlich eher umgekehrt gesehen: Wenn wissenschftliche Modelle nur eine Projektion in eine letztlich chaotische und damit letzlich unverstehbare Welt sind, dann bedeutet das ja, dass wir erstens nie alles werden verstehen können und zweitens, dass die Modelle nie Anspruch auf absolute Wahrheit erheben können, weil ja eine andere Projektion die bessere seine könnte. Also eigentlich eher ein Grund, kleine Brötchen zu backen? Ich muss jetzt auch nochmal neu drüber nachdenken.

        Mit den Physiker und Philosophen stimme ich Dir zu. Wir leben nicht mehr im Zeitalter von Einstein, Heisenberg und Bohr. Da war das sicher noch anders.
        Es gibt also noch viel zu tun für unsere Blogs :-)).

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