Zitat: Kant

„Ein Gedanke, der so leicht, so natürlich ist, den man endlich so oft sagt, daß er gemein wird und Leute von zärtlichem Geschmacke verekelt, kann sich nicht lange im Ansehen erhalten. Was hat man denn für Ehre davon, mit dem großen Haufen mit zu denken und einen Satz zu behaupten, der so leicht zu beweisen ist? Subtile Irrthümer sind ein Reiz für die Eigenliebe, welche die eigene Stärke gerne fühlt; offenbare Wahrheiten hingegen werden so leicht und durch einen so gemeinen Verstand eingesehen, daß es ihnen endlich so geht wie jenen Gesängen, welche man nicht mehr ertragen kann, so bald sie aus dem Munde des Pöbels erschallen. Mit einem Worte: man schätzt gewisse Erkenntnisse öfters nicht darum hoch, weil sie richtig sind, sondern weil sie uns was kosten, und man hat nicht gerne die Wahrheit gutes Kaufs.“

(Kant, Versuch einiger Betrachtungen über den Optimismus (1759), AA II, S. 29.)

Kant über Wahrheiten, die zu einfach sind, um sie einsehen zu wollen. Wehe der Pöbel-Konnotation!

Advertisements

Kants ‚Grundlegung zur Metaphysik der Sitten‘: Comic Strip

Kants berühmter Kategorischer Imperativ durchläuft in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten verschiedene Stufen der Ausformulierung. Da geht es erst um eine Maxime, die allgemeines Gesetz werden soll, dann um dieselbe, die Naturgesetz werden soll, dann um die Menschheit als Zweck an sich selbst, dann um die Selbstgesetzgebung bzw. Autonomie des Willens und schlussendlich um die Freiheit des Willens und Kants Grunddualismus zwischen Sinnen- und Verstandeswelt, der die ganze Sache erst möglich macht.

Eigentlich haben wir es dabei aber mit einer wunderbaren tautologischen Struktur zu tun, denn das Sittengesetz selbst, so Kants Überzeugung, ist jedem Menschen ganz natürlich beigegeben. Bloß wurde es in der Vergangenheit durch allerlei „vernünftelnde“, falsche Philosophie und die eigene Bestrebung des Menschen, es seinen sinnlichen Neigungen besser anzupassen, verdeckt und verdunkelt, sodass es nun eines kritischen Kants bedarf, um es gleichsam zu entschleiern und für die (philosophische) Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Wo wir bei der Lektüre der Grundlegung gestartet sind, kommen wir aber im Grunde auch am Ende an, nämlich beim guten Willen selbst. Nicht auf eine äußere moralische Vorschrift kommt es Kant an, sondern auf die Aufdeckung desjenigen Gesetzes, das unserer vernünftigen menschlichen Natur schon immer inhärent ist; auf die Aufklärung der nicht weiter erklärbaren Tatsache, dass wir das Gute wollen.

Hier also die Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, stark vereinfacht und in Kürze:

gms_comicstrip_anna-torus